Article image decription
13. Juni 2022    „Sophie!“

Jeder kennt ihren Namen. Heute noch. Dabei wäre Sophie Scholl heuer am 9. Mai bereits 101 Jahre alt geworden. Vor 79 Jahren wurde sie von den Nazis hingerichtet – im Alter von nur 21 Jahren. So bleibt Sophie Scholl in den Köpfen immer diese junge Frau. Das Gesicht der „Weißen Rose“. Sie steht für Widerstand. Für Gerechtigkeitsgefühl. Für Haltung und Überzeugung. Selbst wenn diese zum Todesurteil führen. Ein charismatischer Mensch, ein Vorbild. Und doch war Sophie eben auch eine junge Frau. Ein Mädchen.

Genau das zu entdecken, das hatte sich in den letzten beiden Jahren die Theatergruppe „Blickwechsel“ des Haarer Ernst Mach Gymnasiums unter der Leitung von Thomas Ritter und Farina Simbeck zur Aufgabe gemacht. Heraus kam „Sophie“ – eine Begegnung und Auseinandersetzung mit Sophie Scholl“. Ein berührendes, sehr persönliches Stück – mit erschreckend aktuellem Bezug.

Startschuss am Königsplatz 2021

100 Plakate mit dem Konterfei von Sophie Scholl flogen wild über den Münchner Königsplatz. Geworfen von 100 jungen Menschen, nur wenige Meter von dem Ort entfernt, in dem knapp 80 Jahre zuvor in der Universität flatternde Flugblätter die Hinrichtung der jungen Widerstandskämpferin besiegelt hatten. Direkt am 100. Geburtstag, am 9.Mai 2021, waren 100 junge Menschen, 100 Minuten zu einer theatralen Demonstration zusammengekommen. Ein Moment der klarmachte, dass es nicht bei diesem einmaligen Gedenken an Sophie bleiben durfte.

Zwei Jahre Recherche

Denn die Gruppe, darunter 14 Mädchen, hatte sich ausgiebig mit dem wohl bekanntesten Gesicht der „Weißen Rose“ beschäftigt – und dabei auch das Mädchen entdeckt, das voller Träume steckte, voll Abenteuerlust, ersten Verliebtheiten, purer Lebensfreude und kleinen Verrücktheiten. Das Ergebnis dieser Recherchen nennt sich kurz „Sophie!“ und kam eine Woche lang im Haarer Ernst Mach Gymnasium zur Aufführung. Wiederum unterstützt von der Bürgerstiftung Haar, der Weiße Rose-Stiftung, der Stiftung der Kreissparkasse sowie der Gemeinde Haar.

Nah an Sophie

Die Theatergruppe beschäftigte sich ausgiebig mit Sophie Scholls Lebensstationen. Sie besuchten das NS-Dokumentationszentrum, um sich direkt mit der damaligen Zeit zu konfrontieren und die Gedenkstätte der Münchner Universität. Und schließlich fuhren sie zur Grabstätte der Geschwister Scholl und von Christoph Probst. Richtig nah kamen sie Sophie über deren Tagebucheinträge und ihren Briefen. Aus diesem intimen Kontext schrieben sich Sätze in das Theaterstück, die das Publikum berührten.

Während die jungen Mädchen auf der Bühne zunächst über eine verspielte Kindheit in der Natur berichten, durchschneidet eine Jahreszahl das unbeschwerte Dasein. „1933 – Hitler ergreift die Macht. Die ersten Konzentrationslager werden eingerichtet“, sagt die Gruppe. „Ich bin zwölf Jahre alt“, klagt ein Mädchen nahezu flehentlich. Schlagartig wird allen im Raum klar, was diese Zeit für die Kinder damals bedeutete. 

Trotzdem: Die Leichtigkeit der Jugend verschwindet nicht. Nicht aus Sophie und auch nicht aus dem Stück. Sophie erzählt von den lustigen Momenten als Kindergärtnerin und vom „unsoliden“ Tanzen. Dass sie später auch Kinder möchte. Und wie verliebt sie wäre, in den Fritz. Abrupte Stille: Jäh holen wieder Jahreszahlen das Publikum ein: 1939, der Krieg ist da – und Sophie bringt das Leid mit einfachen Worten auf den Punkt. "Ich kann es nicht begreifen, dass nun dauernd Menschen in Lebensgefahr gebracht werden von anderen Menschen. Ich kann es nicht begreifen und finde es entsetzlich." Und: „1941 – Schlacht um Kiew.“ Und nach einer Pause „2022 – Schlacht um Kiew“. Der Krieg ist zurück in Europa. Als das Stück gewachsen ist, gab es ihn noch nicht. Und auch dieser Krieg betrifft nicht nur die Erwachsenen, sondern auch die Kinder und Jugendlichen.

Ein Dialog mit Sophie

Es ist schließlich nicht nur Sophies Geschichte, die das Stück erzählt. Denn die 14 Mädchen treten in den Dialog mit der jungen Frau. Sie erzählen von ihren eigenen Träumen, von den Parallelen zu Sophie. Zum Beispiel, dass auch sie auch später Biologie studieren wollen. Oder dass sie die Musik lieben. Und den Tanz. Sie berichten Sophie aber auch von ihren Sorgen und Ängsten.

Es sind die kleinen Gesten, die Stille, die plötzlichen Bewegungen, die Musik, die diese Wechsel zwischen Leichtigkeit und Depression, zwischen Freude und Angst fast greifbar transportieren. Fast schon ein Markenzeichen der Inszenierungen vom kongenialen Theater-Leitungsteam Farina Simbeck und Thomas Ritter, die bereits mit „Spurensuche“ ein vielfach ausgezeichnetes und europaweit aufgeführtes Projekt im Haarer Gymnasium auf die Beine gestellt haben.

Aufführung im kbo

„SOPHIE! – Eine Begegnung und Auseinandersetzung mit Sophie Scholl“ von der Theatergruppe „Blickwechsel“ wird demnächst noch einmal in Haar aufgeführt: am 6. Juli 2022 um 19 Uhr im Gesellschaftshaus des kbo Isar-Amper-Klinikums. Der Eintritt ist frei, Kartenreservierung unter Henner.Luettecke@kbo.de. Mehr Informationen und mögliche weitere Aufführungstermine unter www.blickwechsel.theater

Aktuelles

13. Juni 2022

„Sophie!“

Article image decription

© Gemeinde Haar

Ein besonderes Sophie-Scholl-Portrait der EMG-Theatergruppe „Blickwechsel“

13. Januar 2022

Große Unterstützung für die "Parkwildnis"

12. Juli 2021

Autohaus Simon Gruber spendet 2.000 Euro

Veranstaltungen

08. November 2019

Haar lauscht und singt bis Mitternacht

Article image decription

© Bürgerstiftung Haar

6.Chornacht ist voller Erfolg

Neue Projekte

Kontakt

Geschäftsstelle der Bürgerstiftung Haar
Im Poststadl 1. Stock - Zimmer 22
Münchener Straße 3
85540 Haar

Telefon
089 - 4 60 02-861
E-Mail
info@buergerstiftunghaar.de

Telefonisch sind wir erreichbar von:

Mo - Do
09:00 - 12:00 Uhr
14:00 - 16:00 Uhr
Fr
09:00 - 12:00 Uhr

Persönliche Termine nach Vereinbarung.


Impressum Drucken