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29. Juni 2018    Premiere: „Blickwechsel“ auf die Heimat

Schultheater innovativ

Haar hat fast 22.000 Einwohner, liegt im Speckgürtel Münchens, hat S-Bahn-Anschluss und Lebensqualität. Doch wie sieht das ganz persönliche Leben der Jugendlichen hier aus?

Daten, Fakten und Slogans über die Gemeinde Haar – die können die 29 Schülerinnen und Schüler der Schultheatergruppe des Ernst-Mach-Gymnasiums und der Mittelschule aus dem Effeff. Laut und euphorisch werden diese präsentiert. Doch wie ist ihr Alltag hier? Ihr ganz persönliches Umfeld? Ihre Sorgen? Ihre Familie? Ihr Lebenslauf?

„Es geht um uns!“

„Es geht doch um uns!“ rufen sie der ewig nörgelnden Stimme aus dem Hintergrund entgegen. Und damit startet ein extrem abwechslungsreicher Abend im Ernst-Mach-Gymnasium. Doch längst nicht nur hier. Es werden Sequenzen aus der Kindheit erzählt, Banalitäten möchte man manchmal meinen – doch es ist die Welt, der Kosmos der Jugendlichen. Und das sollen sich die Erwachsenen ruhig einmal anhören. Und ansehen. Immer aus verschiedenen Blickwinkeln und Perspektiven.

Blickwechsel greifbar

Was das bedeutet? Das Publikum wird dauernd aufgefordert, sich woanders hinzusetzen, zu stehen, Seite zu wechseln, hinter den Vorhang zu treten. Und schließlich auch, den eigentlichen Spielort zu verlassen. Ab diesem Zeitpunkt haben auch alle Nicht-Theaterbesucher in Haar etwas von der Aufführung. Es gibt Momente zum Lachen. Doch es werden auch Vorwürfe gegen die Familie laut. Berechtigte. Und es werden Wünsche geäußert. Manche utopisch. In Filmsequenzen kommen andere HaarerInnen zu Wort. Sie sprechen über Heimat. Und Haar.

Verwurzelt

Das Fazit des Abends? Vielleicht könnte man sagen: Haar ist Heimat. Für viele.  Aber die eigentliche Heimat liegt in jedem selbst. Zum Abschluss gibt es ein gemeinsames Essen. Damit geht das experimentelle Konzept der beiden Spielleiter Farina Simbeck und Thomas Ritter voll auf.  Es wird miteinander gesprochen, die Anonymitiät wird aufgelöst. Die Wurzel aller Verwurzelungen. Wir hoffen auf eine Zugabe.

Bürgerstiftung unterstützt gerne

Die Bürgerstiftung Haar hat auch dieses Projekt des Schultheaters der Gemeinde wieder sehr gerne finanziell unterstützt. „Nach der Spurensuche, die sich dem wichtigen Thema des Nationalsozialismus in Haar angenommen hat, wollte Herr Ritter ein Gegengewicht zu der traurigen Geschichte schaffen. Eine gute Idee, wie wir finden“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Bürgerstiftung Haar Jürgen Partenheimer beim offiziellen Empfang vor der Premiere.  Vor allem die Tatsache, dass die Jugendlichen sich das Thema selbst erarbeitet haben und den damit geglückten Sprung in die Gegenwart, ja sogar ein wenig in die Zukunft Haars, sieht Jürgen Partenheimer als sehr gelungene Art an, an ein Theaterstück heranzugehen. 5.500 Euro hat die Bürgerstiftung dazugegeben.

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